„Zigarre ist oft die Brücke zu vielen guten Gesprächen mit interessanten Menschen!“

Cem Erten bloggt unter „El Lector“ (https://www.ellector.info/almanca) leidenschaftlich über Zigarren – auf türkisch, deutsch und englisch. Unlängst interviewte Cem die neue Präsidentin von Cigar Rights of Europe, Claudia Wiemer.

Cem Erten: Erzähle uns ein wenig über dich!
Claudia Wiemer: Hauptberuflich bin ich als Assistentin der Geschäftsführung eines Lebensmittelunternehmens tätig, was teilweise ein stressiger Job mit viel Verantwortung ist. Am Abend allein oder mit Freunden eine Zigarre zu genießen, bedeutet daher für mich immer eine Auszeit.

CE: Wie hast du angefangen, zu rauchen?
CW: Es hat mich schon immer fasziniert, wenn früher z. B. in Filmen die Männer sich nach dem Essen in der Bibliothek trafen, Whisky tranken und bei einer guten Zigarre Weltpolitik diskutierten. Da habe ich mich immer mehr zuhause gefühlt als bei den Damenrunden.

CE: Wieso findest du Zigarren so interessant?
CW: Faszinierend an der Zigarre ist einerseits die Ruhe, die sie mir gibt, die geschmackliche Vielfalt, die ähnlich wie bei Weinen ist. Letztendlich bedeutet Zigarren zu genießen auch Geselligkeit und war und ist oft die Brücke zu vielen guten Gesprächen mit interessanten Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte.

CE: Was war die interessanteste Reaktion eines Mannes, als er er Dich rauchen sah?
CW: Interessant ist, dass wir Frauen leider immer noch in der Minderzahl sind und auf Männer daher oft exotisch wirken. Manchmal wird man aber auch als Frau in eine Schublade geworfen – es wird indirekt unterstellt, dass man wenig Ahnung hat, nur die mitrauchende Begleitung ist oder keine großen Formate oder stärkere Zigarren rauchen mag.

CE: Wann rauchst Du am liebsten?
CW: Gelegenheiten für eine Zigarre gibt es viele: Neben meinem regelmäßigen Zigarrentreff finde ich mich manchmal mit Freunden zusammen und wir lassen die Woche ausklingen. Hier in der Region werden auch viele Events veranstaltet, so dass man eine große Anzahl an Möglichkeiten hat, sich mit anderen Passionados zu treffen. Sehr gerne besuche ich auch die jährlichen CSWC Cigar Smoking World Championship (Slow Smoke) Veranstaltungen z. B. Deutschland, Österreich oder anderen Länder.

CE: Welche Vitola rauchst du am liebsten?
CW: Welche Zigarre ich rauche, hängt oft von der Situation ab, wieviel Zeit ich habe oder ob ich vorher ein Essen hatte. Ich habe wenige bewährte Marken, auf die ich immer wieder gerne zurückkomme, aber ich halte mich manchmal auch an den Spruch: Der Weg ist das Ziel. Seit zwei Jahren bin Member des Blind Tasting Panels des Cigar Journals. Hierdurch lerne ich auch viele neue Zigarrenmarken und Formate kennen, die ich sonst nie gekauft hätte.

CE: Ich weiss, dass du einen Zigarrenclub leitest, wie ist das zustande gekommen?
CW: Ein Freund rauchte schon lange Zigarre und hat mich 2005 an den Genuss, eine Zigarre zu rauchen, herangeführt. Seitdem treffen wir uns regelmäßig bei einem Zigarrentreff in Köln. Das ist kein Club bzw. Verein im eigentlichen Sinne, aber eine Runde netter Menschen, die gemeinsam gerne genießen. Seit 2010 bin ich diejenige, die als La Presidenta die Genussrunde – wir verbinden gutes Essen mit Zigarren und korrespondieren Getränken – monatlich zusammenführt.

CE: Kürzlich wurdest du zur CRE-Präsidentin gewählt. Könntest du bitte ein wenig über CRE berichten und uns erzählen, was für Ziele du dir als erste Präsidentin für die Zukunft der CROE gesetzt hast? Was denkst du über die Zukunft der Zigarren?
CW: Zigarrengenuss hat seit vielen Jahrhunderten einen kulturellen und gesellschaftlichen Wert. Durch gesetzliche Bevormundung und Überregulierung werden wir in unserer individuellen Freiheit, Zigarren zu genießen, immer mehr staatlich eingeschränkt.
Daher hat sich vor ca. zwei Jahren der Verein CRE – Cigar Rights of Europe e. V. gegründet, deren Präsidentin ich seit Februar bin. Wir sind eine Interessengruppe von Konsumenten, die auf europäischer Ebene gegen diese Einschränkungen eintreten. Wir haben in vielen Ländern Ambassadore, die auf lokaler Ebene tätig sind, da viele Regulierungen länderspezifisch unterschiedlich sind. Je mehr Menschen sich dagegen auflehnen, desto größer ist unsere Stimme in der Öffentlichkeit und in der Politik. Daher ist momentan unser primäres Ziel, eine Vielzahl von Mitgliedern zu generieren. Ende Mai stehen die Europawahlen an. Hier werden wir an die Politik herantreten und unsere Position darstellen.

Denn die Politik hat z. B. noch nicht realisiert, dass zwischen Zigaretten und kunstvoll von Hand gefertigten Zigarren ein eklatanter Unterschied besteht. Diese beiden Produkte dürfen regulatorisch nicht gleichbehandelt werden. Es macht auch gar keinen Sinn, diese Produktkategorien gleichzustellen, denn Zigarren bringen keine Kettenraucher hervor und ziehen Jugendliche nicht an.

In den letzten Jahren hat sich die Anti-Tabak-Bewegung nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa und der Welt immer weiter ausgebreitet. Das Probieren und Genießen von Zigarren wurde nicht nur in Restaurants und Gaststätten, sondern auch in Cigar Lounges sehr eingeschränkt und teilweise verboten. Es gibt mittlerweile in vielen Ländern generelle Rauchverbote für drinnen und draußen. Das „plain packaging“ ist in Australien bereits Realität und steht den Niederlanden bevor.

CE: Was denkst du über kubanische Zigarren vs Neue-Welt-Zigarren?
CW: Sowohl in Kuba als auch in Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik werden sehr gute Zigarren hergestellt. Jeder Passionado hat da seine individuellen Geschmacksvorlieben, aber wie bei allen Dingen im Leben sollte ein gutes Preis-Leistungsverhältnis gegeben sein. Eine geschmacklich gute Zigarre, die nicht zieht oder schlecht verarbeitet ist, macht keinen Spaß – egal, wo sie hergestellt wird.